Schlagwort: Angst

Brief an den Bruder

Licht

++ Hinweis: Der Text behandelt traumatische Erfahrungen und kann triggern ++

Na Bruderherz,

weiß gar nicht was und wieso ich dir schreiben sollte…?
Aber ich mache es trotzdem.
Vielleicht geht es dir ja ein wenig schlecht, so wie es mir ständig geht.
Ich mach ja gerade ’ne Therapie, wegen meiner Ängste und so…weißt schon.
Mich quälen alte Erinnerungen.
Ich habe ständig und immer wieder die Sequenzen im Kopf, was du so alles mit mir angestellt hast.
Ich spule die Jahre zurück bis an die Punkte, in denen du mich gequält hast.
Nichts ist mir verloren gegangen…Danke.
Ich sehe den Müll aus zwei Perspektiven.
Einmal aus der Sicht von mir und dann als Zuschauer…besser gesagt, es springt, ganz schnell, so als würde es fast gleichzeitig sein.
Eine Rundum-Ansicht.
Die einzigen, die nicht wechseln sind meine Gefühle, Ängste, die Panik, der Ekel und das totale Entsetzen…die sind immer gleich, egal welche Perspektive.
Ich war klein soo süß und unschuldig.
Du warst, und bist es immer noch, 7 Jahre älter als ich….Du hattest die Macht auf mich aufzupassen und mich zu verteidigen.
Aber du musst dich entschieden haben mich zu zerstören…hast deine Macht genutzt, um zu quälen…sexuell-körperlich und seelisch.
Immer und immer wieder, bis du endlich ausgezogen bist….dann war Ruhe vor dir, aber trotzdem zu spät…ich war für mein Leben therapiert.
Ich kann es nicht verstehen, wie man so sein kann…ich…?…niemals
Für das gibt es keine Entschuldigung, egal was man selber erlebt hat.
Ein Gutes hat es jaaaa.
Das Gute in mir hast du nicht kaputt gemacht…ok das Gute ist schüchtern und ängstlich…aber es ist da und lebt.

©szilverling
©Foto: Lichtbildermacher


Wie fühlt sich Angst an …?

Foto: Min An von Pexels

Wie fühlt sich die Angst an…?
Also bei mir (ich kann nur von meiner Erfahrung schreiben) ist es so:
es fühlt sich echt kacke an.
Meine Gedanken und meine Gefühle spielen verrückt, bin wie von Sinnen,
spüre, dass ich gerade die Kontrolle verliere und mich gar nicht mehr zusammen
reißen kann.
Denke und glaube:
 ich werde hier gleich sterben.
Bin überzeugt davon, dass ich hier gleich einen Herzinfarkt oder Schlaganfall
bekomme.
Mein Herz schlägt dann so schnell, dass ich glaube, ich kann nicht mehr so schnell
atmen wie es schlägt.
Meine Gedanken machen mich immer irrer und so dreht sich der Kreis immer
schneller und dadurch wird die Angst auch immer heftiger,
dass jede Hilfe zu spät ist.
Keiner nimmt mich ernst, keiner glaubt mir, dass ich gerade am Sterben bin.
Und nach jedem Anfall muss ich mir eingestehen; ok bin ja doch nicht gestorben.
Diese Erkenntnis haut dann nochmal so richtig aufs Gemüt, jedes Mal.
Wem vertrauen? Mir? Nein! Den Anderen? Nein!
Man kann in der Angelegenheit keinem vertrauen.
Man ist damit soo allein.
Die Angst ist mal sehr doll aber auch ruhiger, was aber nicht heißt, dass ich sie
nicht merke.
Sie ist immer da, ständig und andauernd.

Meine kranke Angst

©szilverling

Was ist Angst…?

Edward Munch: Der Schrei, Federzeichnung, Kunstmuseum Bergen

Angst ist ein Urinstinkt der in uns steckt.
Angst sagt uns oder lässt uns erkennen ob Gefahr droht.
Sie macht uns aufmerksam und achtsam…sollen wir die Flucht ergreifen oder
sollen wir es wagen zu kämpfen.
Die Angst stellt uns für die Situation Energie bereit.
Angst gibt es in verschiedenen Formen.
Angst vor Veränderung, Angst vor der Endgültigkeit, Angst vor Nähe.
Gesunde Angst und die krankhafte Angst.
Gesunde Angst ist z.B. Angst vorm Zahnarzt, man hat Bammel davor
aber man geht trotzdem hin.
Kranke Angst ist z.B. Angst vor dem Duschen, man hat es 1000 mal gemacht und
nie ist was passiert und auf einmal kann man es nicht mehr, man hat Angst…Angst
das was passieren könnte. Man kann gar nicht so richtig erklären was denn da
passieren sollte.
Es ist ein Gefühl von Vorahnung und totaler Verunsicherung.

© szilverling

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