Um die Burg nun endlich abzubauen schrieb ich einen Artikel für den VIA Blog
Baut die Burg ab!
Das Thema mit der Burg geht mir nicht aus dem Kopf, obwohl ich nicht gekifft habe. Alles, was Burg ist, muss abgebaut werden. Dann leben wir unser eigentliches Leben ohne Krankheit und Tod. Wie ich auch schon in meinem Artikel im Blog über die Burg meinte, sind wir so frei und können auch mit der Burg ohne sie leben statt zu »gelden« und zu »toden«, aber meiner Meinung nach, ist es schon lange Zeit, sich von der Doppelkreuzritterburg zu trennen und im selbstverständlichen Paradies zu leben. Hinter der Burgwand (Häuserwand oder Straße) ist unser abgeschaltetes, eigentliches Leben. Und das mit dem Kapitalismus würde sich auch erledigen. Wir können auch in unserem eigentlichen Leben arm, obdachlos, krank und tot sein, ohne arm, obdachlos, krank und tot zu sein. Es gibt sogar den Kapitalismus, ohne dass es ihn gibt. Durch meine Freiheit lebe ich schon lange im eigentlichen Leben, obwohl alle schlafen. Wacht auf! Es lohnt sich geboren zu sein! Von dem eigentlichen Leben bekommt man nicht genug! Wir sind geboren um zu leben und nicht zu sterben, um reich zu sein und nicht um arm zu sein, ohne Geld zu leben und nicht mit Geld zu leben, gesund zu sein und nicht um krank zu sein, dafür ist das Leben zu wertvoll!
Aus dem Leben gegriffen und über den Alltag berichtet. Was erlebt man während eines Praktikums im Lwerks … cultur, einem Café und Restaurant am Rathaus Neukölln?
Die Öffnungszeiten im Café Lwerk haben sich geändert. Montags fange ich um 10 Uhr an, mein Fahrweg beträgt 45 Minuten und ich muss viel stehen und laufen. Das längere Stehen ist anstrengend. Ich muss das schmutzige Geschirr kurz abspülen und dann in die Spülmaschine tun. Die Haupttätigkeit besteht im Abtrocknen. Es sind sehr viele Gläser, die ich polieren muss. Manchmal muss ich auch etwas aus dem Lager holen oder den Koch unterstützen und ein Rührei zubereiten. Ich durfte auch einmal Keksplätzchen ausstechen. Was auch zu meinen Tätigkeiten gehört, ist das Wäscheaufhängen und die Wäsche zusammenlegen. Um halb eins gibt es ein gutes Mittagessen, meist mit Salat. Zwischendurch sollen wir viel Selters trinken. Manchmal darf man auch einen Cappuccino trinken.
Es ist nun eineinhalb Jahre her, seit ich vom betreuten Wohnen aus der 2er WG in Neukölln, wo ich mit einer guten Freundin vier Jahre zusammengelebt hatte, in meine eigene Wohnung in Lichtenberg gezogen bin.
Es war eine schöne Zeit in der WG. Wir waren der Mittelpunkt der Glasower Straße. Alle kamen zu uns, auch meine Nachbarin, die von morgens bis abends jeden Tag bei uns war und bei uns übernachtet hatte. Sie fühlte sich bei sich in der Wohnung nicht wohl und hatte uns, wo sie immer hin gehen konnte. Wir haben zusammen Filme und Serien bei Youtube geschaut, Musik gehört oder einfach so im Internet gesurft. Alle haben bei uns telefoniert und mein WLAN benutzt, haben bei uns Tabak und Blättchen, Essen und Geld bekommen, wir haben zusammen gekocht oder ich habe für alle Cheeseburger, Hot Dogs und Toast Hawaii gemacht oder wir haben uns Essen geholt beziehungsweise bestellt und zusammen gegessen. Sogar der Vater von meiner guten Freundin kam mit Koffern bepackt und hat bei uns wochenlang gewohnt, was dann doch ziemlich anstrengend war. Also dachte ich mir, ich suche mir meine eigene Wohnung, um mit meiner Nachbarin meine Ruhe zu haben. Doch die Sache ging irgendwie nach hinten los. Meiner Nachbarin ist der Weg nach Lichtenberg zu weit. Sie meint, sie schaffe es gesundheitlich nicht, zu mir zu kommen. Seitdem ich in Lichtenberg wohne, war sie erst ein einziges Mal bei mir, und dass auch nur, weil wir uns ein Taxi für 40 Euro hin und zurück genommen hatten. Ich selber habe sie jetzt aber auch nicht übertrieben 500mal besucht, um sie wie früher zu sehen. Es ist ein ewiges Hin- und Hergefahre von Lichtenberg nach Neukölln und zurück. In einer halben Stunde nach Neukölln schaffe ich es nur, wenn die S-Bahntüren sich problemlos öffnen und schließen, wenn ich renne, um die Bahnen und den Bus zu kriegen.
++ Hinweis: Der Text behandelt traumatische Erfahrungen und kann triggern ++
Na Bruderherz,
weiß gar nicht was und wieso ich dir schreiben sollte…? Aber ich mache es trotzdem. Vielleicht geht es dir ja ein wenig schlecht, so wie es mir ständig geht. Ich mach ja gerade ’ne Therapie, wegen meiner Ängste und so…weißt schon. Mich quälen alte Erinnerungen. Ich habe ständig und immer wieder die Sequenzen im Kopf, was du so alles mit mir angestellt hast. Ich spule die Jahre zurück bis an die Punkte, in denen du mich gequält hast. Nichts ist mir verloren gegangen…Danke. Ich sehe den Müll aus zwei Perspektiven. Einmal aus der Sicht von mir und dann als Zuschauer…besser gesagt, es springt, ganz schnell, so als würde es fast gleichzeitig sein. Eine Rundum-Ansicht. Die einzigen, die nicht wechseln sind meine Gefühle, Ängste, die Panik, der Ekel und das totale Entsetzen…die sind immer gleich, egal welche Perspektive. Ich war klein soo süß und unschuldig. Du warst, und bist es immer noch, 7 Jahre älter als ich….Du hattest die Macht auf mich aufzupassen und mich zu verteidigen. Aber du musst dich entschieden haben mich zu zerstören…hast deine Macht genutzt, um zu quälen…sexuell-körperlich und seelisch. Immer und immer wieder, bis du endlich ausgezogen bist….dann war Ruhe vor dir, aber trotzdem zu spät…ich war für mein Leben therapiert. Ich kann es nicht verstehen, wie man so sein kann…ich…?…niemals Für das gibt es keine Entschuldigung, egal was man selber erlebt hat. Ein Gutes hat es jaaaa. Das Gute in mir hast du nicht kaputt gemacht…ok das Gute ist schüchtern und ängstlich…aber es ist da und lebt.
Das neue Jahr ist jetzt schon wieder ein paar Wochen alt und die Feiertage scheinen weit weg. Für mich aber waren die Weihnachtszeit und das Silvesterfest im Jahr 2018 anders als sonst und deswegen irgendwie auch etwas Besonderes.
Durch den Kontaktabbruch zu meinem Vater und Bruder, habe ich das erste Mal ohne Familie gefeiert, dafür mit meinem Freund und meinen beiden Katzen. Äußerlich verliefen die Tage ruhig, aber in meinem Innersten gingen die Gefühle und Gedanken zurück in meine Vergangenheit. Musiksendungen im Fernsehen brachten Erinnerungen hervor und die Nächte wurden unruhig.
Wie auf Knopfdruck kam dann eine starke Erschöpfung als das neue Jahr begonnen hatte. Vielleicht auch eine gewisse Erleichterung. Das Ende des Jahres 2018 war für mich wie eine Prüfung. Waren die Entscheidungen richtig, die ich getroffen habe?
Ja das waren und sind sie dem Ergebnis meiner Gedanken zufolge. Seit zwei Wochen bin ich nun wieder auf der Suche nach Neuem. Mein Kopf scheint leergefegt und wartet jetzt darauf mit neuen Ideen gefüllt zu werden. Aber trotz der scheinbaren Leere, bin ich optimistisch und positiv eingestellt. Herr Schwarzenberger kommt seit dieser Woche auch wieder zu uns in das Atelier und die Freude ist groß.
trotz der Krankheit. Ich dachte nicht, dass meine Bilder so gut aussehen werden. Ich zeichne gern, es füllt den leeren Raum. Wenn ich male, vergehen die unangenehmen Gefühle. Ich möchte zeichnen bis ich 70 Jahre alt werde oder noch länger. Oder bis ich nicht mehr kann. Hedwig Kopiasz
Die Künstlerin Hedwig Kopiasz entdeckte das Zeichnen vor 13 Jahren in der Kunsttherapie. Seither zeichnet sie ihre Bilder in dicke Spiralblöcke der Größe DIN A4. Später entstehen daraus großformatige Collagen. Manchmal werden diese Collagen anschließend von der Zeichnerin weiterbearbeitet.
Hedwig Kopiasz wurde in Oberschlesien in Polen geboren, wuchs dann aber in Bayern in einem Kinderheim auf. Als junge Frau heiratete sie und lebte einige Jahre in Alaska. Nach der Scheidung kam Frau Kopiasz zurück nach Deutschland und ging nach Berlin, wo sie jedoch vorerst obdachlos war.
Die hier ausgewählten Bilder zeigen Lebensstationen und -wege der Künstlerin. Zu jedem Bild berichtet Hedwig Kopiasz in wenigen Worten von ihren Erinnerungen und Eindrücken. Diese Geschichten sind unter den jeweiligen Bildern zu finden. Klicken Sie die Bilder einfach an und öffnen so die Galerien.
Hedwig Kopiasz ist seit 2005 im Projekt Britzer Damm 72 und seit dieser Zeit regelmäßig in der Kunsttherapie aktiv.
Ich möchte nun zu meinen bisherigen Beiträgen einen aktuellen Nachtrag vorstellen – wie ich inzwischen über die Burg denke und wie ich in meiner eigenen Wohnung angekommen bin:
Immer wenn ich kiffe, wird das Thema »Doppelkreuzritterburg« sehr stark und intensiv. Das kommt mir natürlich sehr verdächtig vor und deswegen habe ich das Kiffen so gut wie es ging, gemieden. Ich hatte vor Jahren eine Suchttherapie im Therapieladen erfolgreich beendet und habe drei Jahre gar nicht gekifft, allerdings einen Rückfall gebaut und dann anderthalb Jahre wieder nichts genommen. Rückfälle hatte ich öfter und sogar die Therapie erneut beantragt. Ich mache aber die Therapie trotzdem nicht noch einmal, weil ich der Meinung bin, dass ich sie schon erfolgreich beendet habe und ja weiß, dass ich nicht mehr kiffen sollte und im Therapieladen gelernt habe, dass nicht gekifft wird.