Die Kulturlotsen starteten zu einer Zeitreise in die jüngere Vergangenheit – wir besuchten das DDR-Museum in Berlin-Mitte, gegenüber dem Berliner Dom direkt an der Spree. Gemeinsam mit zwei Museums-Vermittlern machten wir in zwei Gruppen eine Zeitreise in die sozialistische Vergangenheit.

Unsere Vermittler zeigten uns sehr plakativ in verschiedenen Beispielen, wie die Lebenswirklichkeit vieler Menschen in der DDR ausgesehen hat. Da gibt es den Nachbau einer typischen Plattenbauwohnung »WBS 70«, die originalgetreu eingerichtet ist – von der Schrankwand und Sitzgarnitur im Wohnzimmer, über die Ausstattung in der Küche bis zur Waschmaschine im Bad.

Dabei können viele Dinge auch angefasst werden. Zusätzlich befinden sich in Schubladen und Schaukästen viele weitere Erläuterungen, so dass man einige Zeit in jedem Zimmer verbringen kann, um alles erfassen zu können.

Neben dem Alltag in der Wohnung werden auch viele andere Bereiche gezeigt. Dazu ist das Museum in viele kleinere Kabinette eingeteilt, die nach und nach erschlossen werden wollen. So gibt es den Bereich Politik, zu der auch Unterbereiche wie die »Mauer« oder die »Stasi« (Staatssicherheit) gehören. Hier wird die Überwachung der DDR-Bürger*innen thematisiert und dargestellt, auf welch unterschiedliche Weisen Druck auf die Menschen ausgeübt wurde.

Im »Grenzbereich« geht es um die Fluchtbewegungen von DDR-Bürger*innen vor dem Mauerbau und um die Fluchtversuche danach. Es wird über den Schießbefehl an der streng bewachten Grenze zur BRD und an der Berliner Mauer berichtet wie auch über die von DDR-Grenzbeamten auf der Flucht getötete Menschen.

Ein weiteres Kabinett widmet sich dem Palast der Republik, der dort stand, wo heute das Humboldt-Forum mit der Schlossfassade steht. Im Palast der Republik tagte das Parlament der DDR, die sogenannte »Volkskammer«, es gab einen großen Veranstaltungssaal für Kongresse und große Show-Abende, ein Restaurant und Café und vieles mehr. Hier werden neben einem Modell auch Originalteile aus dem Gebäude gezeigt – von der Beleuchtung aus »Erichs Lampenladen« bis zu originalem Porzellangeschirr, Gläsern und Besteck.

Der Bereich Industrie fächert sich weiter auf in die Themen Chemie, Lebensmittel, Metallbau, Kohleabbau sowie Autoindustrie. Man kann hier einen Trabbi nicht nur bestaunen, sondern sich auch hineinsetzen und das Fahrgefühl erleben.

In diesem Museum kann man sich an vielen Punkten immer mal wieder die Frage stellen, wie man wohl selbst in einem autoritären System gelebt hätte. Hätte auch ich die Parteifahne der SED aus dem Fenster gehängt? Hätte ich mich freiwillig drei Jahre für den Militärdienst verpflichtet, damit ich vielleicht einen Studienplatz erhalte? Hätte ich dem Druck der Stasi widerstanden? Welchen Unterschied gibt es zu meinem Leben heute?

Die Stunde, die die Führung durch die Ausstellung dauerte, war eigentlich viel zu kurz. Wenn man annähernd alles in diesem Museum sehen, lesen und erfahren möchte, sollte man deutlich mehr Zeit einplanen.

© Text & Fotos: Uwe Steenbock