Die Kulturlotsen waren in der Königlichen Porzellan-Manufaktur (KPM) zu Gast, die sich im Bezirk Tiergarten, ganz in der Nähe des gleichnamigen S-Bahnhofs befindet. In dieser Manufaktur wird – und zwar ausschließlich hier – seit mehr als 260 Jahren das KPM-Porzellan in Handarbeit hergestellt. In einer Führung erfuhren wir, dass sie von König Friedrich dem Großen im Jahr 1763 gegründet wurde. Und um zu zeigen, dass die Manufaktur tatsächlich königlich war, erhielt jedes hier hergestellte Porzellanstück das königliche Zepter als Zeichen.

Wieso eigentlich »Weißes Gold«? Weil die Erfinder eigentlich Gold herstellen wollten und Porzellan dabei nur zufällig entwickelt wurde. Und weil es damals ausgesprochen teuer war, gutes Porzellan zu produzieren und zudem auch sehr schwierig, Porzellanmasse und Glasur in strahlendem Weiß herzustellen.

Das Porzellan, das wir in mehreren Schauvitrinen betrachten konnten, stammt aus den unterschiedlichen Epochen der Produktion wie Rokoko, Jugendstil oder Bauhaus bis hin zu den Porzellanen der Moderne.

Viele der ausgestellten Stücke sind handbemalt. Von kleineren Mustern bis zu ganzen Landschaften entstehen alle Kunstwerke hier in der Porzellanmalerei. Es gibt Porzellanservices, die bis zu 500 Einzelteile haben.

Die Manufaktur genießt einen ausgesprochen guten Ruf und wird international sehr geschätzt. Bei Empfängen des Bundespräsidenten gibt es beispielsweise für die Staatsgäste zu allen Mahlzeiten ausschließlich KPM Porzellan.

Rund um die ehemaligen Ringkammeröfen aus dem Jahr 1871 wurden uns die verschiedenen Herstellungsschritte erklärt. Das gesamte Porzellan, ob nun Tassen, Teller, Vasen, die Currywurst-Schale oder der Kaffeebecher to go, wird noch heute in Handarbeit hergestellt. Dazu sind viele Schritte notwendig.

Die Porzellanmasse besteht aus Ton, Kaolin und Feldspat. Diese Rohstoffe werden in einem bestimmten Verhältnis zueinander gemischt und mit Wasser vermengt, so dass eine formbare Masse entsteht. Mit Hilfe von Gipsformen wird zum Beispiel eine Tasse geformt, in einem weiteren Schritt die Einzelteile, wie etwa ein Henkel angefügt. Alle Porzellanteile werden etwas größer hergestellt, da die Masse im Brennofen um etwa 15 Prozent schrumpft. Im nächsten Schritt wird dann die Tasse glasiert – heute sind zahlreiche Farben und Farbschattierungen möglich. Im Brennofen, in dem Temperaturen von über 1000 Grad herrschen, wird das Porzellan ein zweites Mal gebrannt und erhält dadurch den typischen Glanz.

Es gibt Porzellanbecher, die aus einem einzigen Stück Porzellan bestehen, aber auch große Porzellanfiguren, die aus bis zu 250 Einzelteilen zusammengesetzt werden, bevor sie im Brennofen gebrannt werden.

Inzwischen arbeitet die Manufaktur auch mit internationalen Künstler*innen zusammen, die das Porzellan und seine Gestaltung immer weiterentwickeln. So werden zum Beispiel neue Formen für Vasen geschaffen oder es entstehen ganz neue Serien, wie beispielsweise die »Berlin«- oder die »Lab«-Serie, die an typisches Laborporzellan erinnert.

Die Entwicklung des »Weißen Goldes« geht also weiter und wir dürfen gespannt sein, was die Manufaktur in den kommenden Jahren an neuen Porzellanen vorstellen wird.

© Text & Fotos: Uwe Steenbock