Zu einer spannenden Reise durch Berliner Geschichten und die Geschichte Berlins erhielten die Kulturlotsen eine Führung durch die Ausstellung »Berlin Global«.

Gleich zu Beginn erwartete uns ein riesiges Wandbild, das in vier Bereichen die Eroberung und die Erschließung der Welt thematisiert. Angesprochen werden beispielhaft die Erforschung der Welt, das Zusammenspiel von Mensch und Natur, die Kolonialisierung von Völkern und Kulturen und die Idee, sich jetzt und in Zukunft mehr den Gemeinsamkeiten zu widmen, Unfreiheit zu beenden, Ketten zu sprengen, um eine lebendige Demokratie und Frieden zu schaffen.

Unser Guide führte unsere Gruppe danach in sieben abwechslungsreiche Themenbereiche, die die Entwicklung von Berlin prägen, um dadurch aufzuzeigen, wie verflochten Berlin als Hauptstadt Deutschlands mit der gesamten Welt ist: Berlin-Bilder, Revolution, Freiraum, Grenzen, Krieg, Vergnügen und Mode.

Im Ausstellungsraum »Revolution« kann man interaktiv an einem »Rad der Geschichte« in die Revolutionsjahre 1848, 1918, 1953, 1968 und 1989 eintauchen. In kleinen Filmsequenzen wird gezeigt, welche Revolutionen, welche gesellschaftlichen Umwälzungen und Veränderungen es in diesen Jahren gegeben hat, die dann viele Jahre und bis heute nachwirken.

Im Bereich »Freiraum« wird gezeigt, dass Berlin als Ort der freien Entfaltung gilt. Berlin bietet Chancen für unterschiedlichste Lebensstile, Freiheiten, vielfältige Nutzungen und alternative Ideen. Dabei wird auch angesprochen, dass viele dieser Freiräume heute bedroht sind, sei es durch höher steigende Mieten oder widerstrebende Interessen. Wer mag, kann in diesem Raum auch berlintypische Gerüche erschnuppern.

Welche Grenzen durchziehen heute die Stadt? Das wird im Ausstellungsbereich »Grenzen« beleuchtet. Die Berliner Mauer ist längst verschwunden. Berlin gilt als Stadt ohne Grenzen. Tatsächlich aber durchziehen noch heute Grenzen die Stadt – sie sind nur nicht für alle sichtbar. Eine große Berlin-Karte, die auf dem Boden des Raumes geschaffen wurde, macht über unterschiedliche Beleuchtungen diese Grenzen erkennbar.

Der Ausstellungsbereich »Vergnügen« macht erlebbar, dass dieses schon vor über 120 Jahren großgeschrieben wurde. An einem hölzernen Kaiserpanorama kann man ganz praktisch erleben, was Menschen damals begeisterte: Dreidimensionale Landschaften und Ereignisse auf Fotos – das war eine Sensation. Gleichzeitig sind Musik, Film, Tanz und Theater als Orte des Vergnügens immer auch ein Spiegel der Gesellschaft – von Foxtrott bis HipHop, vom Tanzcafé über die Discokugel bis in die Clubs, in die großen Varietés, Opernhäuser, Theater und Konzerthallen. In diesem Bereich ist auch vieles, insbesondere Musik, über Kopfhörer erfahrbar.

Der Ausstellungsbereich »Krieg« zeigt auf, dass Berlin die Welt im 20. Jahrhundert auch als Austragungsort von Eroberungskriegen geprägt hat. Die Kriege in den Kolonien, der erste und der zweite Weltkrieg wurden von Berlin aus geführt. Der Zweite Weltkrieg war der größte Krieg der Geschichte der Menschheit. Millionen Tote, Zerstörung ganzer Städte und Regionen – hier gibt es viele Dokumente und Filmausschnitte über Krieg, Gewalt, Flucht und Gefangenschaft zu sehen.

Auch auf unterschiedliche Formen des Gedenkens im Stadtraum wird hier Bezug genommen. So findet man hier beispielhaft die sogenannten »Stolpersteine«. Diese Gedenksteine erinnern an die Menschen, die zwischen 1933 und 1945 im Nationalsozialismus verfolgt und ermordet wurden.

Weiter geht es in den Ausstellungsbereich »Mode«. Typisch für Berlin ist die Vielfalt der Lebensstile. So vielfältig ist ebenfalls auch die Kleidung der Menschen – vom Designer-Kostüm und der Jogginghose über das Hipster-Outfit bis hin zum praktischen Trekking-Look. Ein weiterer Blick wird auf die Berliner Modeindustrie gelegt. In Berlin selbst gibt es eine lebendige, aber kleine Modedesign-Industrie, die sich zum Beispiel in der jährlichen »Fashion Week« zeigt. Und ebenfalls wird hinterfragt, warum Mode heute fast nur noch im Ausland zu geringen Löhnen produziert wird.

Der Raum »Verflechtungen« beschließt den Ausstellungsbereich – hier stellen sich fünfzehn Berliner*innen vor, die nicht in Berlin geboren sind, sondern aus bestimmten Gründen heute in Berlin leben. Durch die Videos ihrer Geschichten kann man auf eine interessante Entdeckungsreise gehen und spüren, dass Verflechtungen und Verbindungen zu anderen Orten und Ländern zu ihrem Leben gehören.

Diese spannende und kurzweilige Führung war sehr anregend und hat einige Kulturlotsen dazu gebracht, noch länger in der Ausstellung zu bleiben, weil es so viel zu sehen gibt. Wir können die Ausstellung sehr empfehlen.

© Text & Fotos: Uwe Steenbock