
Mit den Kulturlotsen ging es bei herbstlich-sonnigem Wetter in die »Gärten der Welt«, um bei einer gut zweistündigen Führung in die unterschiedlichsten Gartenwelten und Kulturen einzutauchen.
Mit Herrn Pritzlaff hatten wir einen ausgesprochen kundigen Guide, der uns wortgewandt und spannend durch die Gärten führte. Am Besucherzentrum erhielten wir zunächst einen Überblick über das sehr große Gelände, auf dem man einen ganzen Tag lang immer wieder neue Entdeckungen machen kann.

Es gibt elf internationale Themengärten, wo Tradition auf zeitgenössische Gartenkunst trifft – wie auch lokales auf internationales Flair. Alle Themengärten wurden von Gartenarchitekten und Landschaftsplanern aus den entsprechenden Ländern gestaltet. Unser Guide lud uns ein, mit ihm von einer deutschen Parkanlage, die ihren Ursprung in einer Form des englischen Landschaftsgartens, dem »Pleasureground« hat, über die Arena zu den farbenfrohen und prachtvollen Dahliengärten zu folgen.


Die Arena ist ein halbrundes Bühnenareal, in dem bei Open-Air-Veranstaltungen mehrere tausend Menschen Platz finden. Man fühlt sich hier wie in einem kleinen Amphitheater. Nach sehr vielen bunten Dahlien ging es an tierischen Rasenmähern, einer kleinen Schafsherde vorbei zu einem englischen Garten. Dieser ist aufgebaut wie ein typischer Cottage-Garten mit Obstwiese, etwas Platz für Gemüsesorten, Kräuter und verschiedene Blumen, wobei englische Rosensorten hier eine große Rolle spielen. Das eigentliche Cottage wird als Café genutzt und ein Taubenturm am Wasserbassin rundet den Eindruck ab.
Danach folgten wir unserem Guide in eine vollkommen andere Welt, in einen orientalisch-islamischen Garten. Dieser ist von einer Mauer umgeben, so dass sich die Besuchenden in Ruhe auf die Gartenanlage mit ihren Wasserspielen konzentrieren können. Dieser Garten hat das Ziel, einer Idee des Paradieses nahezukommen. Es gibt Gedichte in islamischen Schriftzeichen auf halbhohen Fliesenwänden, die alle in Handarbeit hergestellt und bemalt wurden. Die Gedichte preisen die Schönheit der Natur.
Der dritte Themengarten war der Balinesische Garten in einer Tropenhalle. Hier fühlt man sich ein wenig wie in einem Urwald. Üppiges Grün, feuchtwarme Luft, Vogelgezwitscher, Orchideen, angedeutete Reisterrassen, ein kleiner Flusslauf, ein kleines balinesisches Gemeinschaftsgebäude, mehrere kleine Schreine – wir waren wieder in einer anderen Welt. Wir erfuhren, dass an manchen balinesischen Festtagen, wie zum Beispiel dem »Mondfest«, sich in Berlin lebende Balinesen hier treffen, um gemeinsam zu feiern.

Anschließend ging es mit unserm Guide weiter nach Asien, wo ein koreanischer und ein japanischer Garten darauf warteten, von uns bewundert zu werden. In einer gestalteten Landschaft, in der ein Flussverlauf eine wichtige Rolle spielt, bildet das Haus eines Gelehrten das Zentrum des koreanischen Gartens. Das Gebäude dient als schlicht gehaltener Rückzugsort, in dem man sich in der Ruhe der Natur auf sich selbst konzentrieren und aus verschiedenen Blickachsen sämtliche Facetten des Gartens erfahren kann.
Der japanische Garten stellt wiederum eine kleine Hügellandschaft dar, in deren Mitte ein Flusslauf entspringt, den man Stück für Stück hinabschreiten kann. Der Fluss stellt das fließende Leben dar, die Vergangenheit, die laufende Entwicklung und der Weg in die Zukunft. Wer mag, kann sich hier zurückziehen und über das Leben sinnieren. Der Rundgang endet mit einem Blick auf ein japanisches Teehaus in einem Steingarten mit kunstvollem Steinteich.

Unser Weg führte nun von einem jüdischen in einen christlichen Garten – die beide sehr unterschiedlich und gleichermaßen eindrucksvoll sind. Der jüdische Garten ist mit vielen Nutzpflanzen bestückt, so dass von Frühling bis Herbst verschiedene Obst- und Gemüsesorten geerntet werden können. Der christliche Garten ist wiederum ein Senkgarten, der von einer beeindruckenden, vergoldeten Konstruktion mit großen Buchstaben umrahmt wird, die Zitate aus dem alten und dem neuen Testament in unterschiedlichen Sprachen nachbilden. Diese Konstruktion ist so gebaut, dass man sie im gesamten Gartenumlauf durchschreiten kann. Die Mitte bilden mehrere Beete mit vielen blühenden Pflanzen. Der Ort vermittelt Geborgenheit, in dem man sich beschützt hinsetzen kann, um zu lesen, nachzudenken oder sich des Lebens zu erfreuen.



Den Abschluss unseres Rundgangs bildete der Besuch des chinesischen Gartens. Vor dem Eingangsgebäude steht eine Statue des chinesischen Gelehrten Konfuzius mit dem Zitat: »Was Du nicht willst, dass man Dir tu‘ – das füg auch keimen anderen zu«. Der chinesische Garten besticht durch eine ausgesprochen weitläufige Landschaft mit einem großen See im Zentrum. Dieser wird von mehreren Gebäuden umsäumt. Zu den Gebäuden gelangt man durch einen überdachten, holzverzierten und rot gestrichenen Laubengang. Hier kann man vor einem Teehaus sitzend auf den See schauen, in dem ein kleines Schiff von viel Bambus umrahmt ankert, dass an eine Dschunke erinnert.
An dieser Stelle verabschieden wir uns von unserm Guide, bei dem wir uns sehr herzlich bedanken möchten – obwohl wir noch längst nicht alles gesehen haben: Der Renaissancegarten, der Staudengarten, der Irrgarten, die vielen internationalen Gartenkabinette, die Seilbahn … all dieses gäbe es noch zu entdecken, so dass wir mindestens noch ein weiteres Mal in die Gärten der Welt kommen wollen.
© Text & Fotos: Uwe Steenbock
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