Schlagwort: Kunst

Fühlsinn – Kurzlyrik

Fühlsinn

Hat Sinn
macht Sinn
Unsinn
Sinn hinter dem
was ich dachte sah fühlte
hoffte horchte
in den Händen der
Zeit
horchte hörig
wendet sich das Blatt

Nüsse auf der Fensterbank
hartschalig
weichkernig

Spinnennetz

Fadenträchtig
Die Spinne
baut ein Netz
feine Fäden komplexer Natur
Netzwerkarbeiterin

Worte

gesagt gesprochen
vergangen und vergeben
vergessen, was da war
Worte

Texte von Heliane Hagel
Foto: VIA Perspektiven

Brandmalerei

Dem Künstler M.B. begegnete ich bereits im Atelier des VIA Zentrums AktionRaum. Seine feinlinigen Bilder sind detailreich und bilden für mich Bild-Wort-Collagen. Worte, Linien, Bilder erzählen Geschichten. Kürzlich schickte mir der Künstler eine Mail mit der Bitte, die von ihm angehängten Fotografien seiner Bilder auf dem Blog zu veröffentlichen. Wir freuen uns, die Werke hier präsentieren zu können.

M.B. selbst sagt: Das Bild ist auf Holz entstanden mit einer Art Lötbrenner. Dieses Motiv habe ich gespiegelt und dadurch ist etwas völlig Neues, eine Art Mosaik, entstanden.

Brandmalerei oder auch Pyrografie ist eine alte Gravurtechnik. Materialien wie Leder, Holz oder Kork wurden mittels dieser Technik verziert. Der Begriff Pyrografie bedeutet sinngemäß »Schrift mit Feuer« und stammt aus dem Altgriechischen. Aus dem Gravieren mit einer Wärmequelle ist eine Kunsttechnik entstanden.

©Bilder: M.B.

Das Zeichnen ist zum Sinn meines Lebens geworden…

trotz der Krankheit. Ich dachte nicht, dass meine Bilder so gut aussehen werden. Ich zeichne gern, es füllt den leeren Raum. Wenn ich male, vergehen die unangenehmen Gefühle. Ich möchte zeichnen bis ich 70 Jahre alt werde oder noch länger. Oder bis ich nicht mehr kann.    Hedwig Kopiasz

Die Künstlerin Hedwig Kopiasz entdeckte das Zeichnen vor 13 Jahren in der Kunsttherapie. Seither zeichnet sie ihre Bilder in dicke Spiralblöcke der Größe DIN A4. Später entstehen daraus großformatige Collagen. Manchmal werden diese Collagen anschließend von der Zeichnerin weiterbearbeitet.

Hedwig Kopiasz wurde in Oberschlesien in Polen geboren, wuchs dann aber in Bayern in einem Kinderheim auf. Als junge Frau heiratete sie und lebte einige Jahre in Alaska. Nach der Scheidung kam Frau Kopiasz zurück nach Deutschland und ging nach Berlin, wo sie jedoch vorerst obdachlos war.

Die hier ausgewählten Bilder zeigen Lebensstationen und -wege der Künstlerin. Zu jedem Bild berichtet Hedwig Kopiasz in wenigen Worten von ihren Erinnerungen und Eindrücken. Diese Geschichten sind unter den jeweiligen Bildern zu finden. Klicken Sie die Bilder einfach an und öffnen so die Galerien.

Hedwig Kopiasz ist seit 2005 im Projekt Britzer Damm 72 und seit dieser Zeit regelmäßig in der Kunsttherapie aktiv.

Erinnerung an Monika Schmook

Frau Schmook lebte in der Zeit von 2001 bis 2012 in einer therapeutischen Wohngemeinschaft der VIA Perspektiven, im Britzer Damm 72, in Berlin Neukölln. Sie kam dahin, weil sie das Kunstatelier nutzen und im Kontakt mit anderen Menschen sein wollte. Dabei bestand sie, wo es aus ihrer Sicht nur möglich war, auf Selbstständigkeit. Die Betreuenden vor Ort und ihre rechtliche Betreuerin duldete sie, sofern sie sich in ihren Freiheiten nicht gestört fühlte. Die Mitarbeitenden vom Sozialpsychiatrischen Dienst und dem Fall-Management hingegen, akzeptierte sie nicht, was nicht selten bei deren Besuch mit dem Bewurf von nassen Lappen endete. Ihre Medikamente setzte Frau Schmook unauffällig ab und kam ohne sie gut zurecht. Ihre Stabilität hatte sie ihrer Selbstdisziplin zu verdanken.

Weiterlesen

Was erleben wir auf unserem Arbeitsweg, wenn wir unsere Wahrnehmungskanäle öffnen?

Arbeitsweg mit Musik

Ich kam heute früh wieder aus der Tür meines Hauses und erfreute meine Lunge mit der frischen Stadtluft. Die im Vergleich zur trockenen Heizungsluft meines Zimmers trotz der Kälte, wie eine Sommerbrise bei mir ankam. Dann machte ich mich auf den Dreiminutenweg von meiner Haustür zum S-Bahnhof. Vor der ersten Ecke hatte ich mir schon meine Sonykopfhörer über den Kopf gestülpt und damit meine Realitätswahrnehmung stark eingeschränkt, weil ich nur noch bassreiche Technomusik höre. Der Rest des Weges war für mich deswegen wie eine Halluzination, die an mir vorbeizieht bis zum Supermarkt am Südkreuz. Dort kaufte ich mir ein Getränk und nahm aus Höflichkeit der Kassiererin gegenüber, meine Kopfhörer kurz ab. Daraufhin ging ich wieder über den Bahnhof und dann zur Werkstatt.

Mein Arbeitsweg ohne Musik

Dass es sehr kalt war, fühlte ich schon als ich vor die Haustür trat. Ich nahm den Weg, von zu Hause zur S-Bahn als sehr kurz wahr, aber durch die 5°C wirkte er länger. Als ich bei der S-Bahn ankam, waren meine Hände schon kalt. Während der Fahrt in der S-Bahn, in der ich heute sogar von Anfang an einen Sitzplatz bekam, sah ich teils vertraute Gesichter. Auf dem Weg vom Südkreuz zur Arbeit fror ich nicht so sehr, da dieser kürzer war.

©Kevin Heider

Auf meinem Weg
von Milla Swann 

Wegabschnitt

Tippe di tipptipp
Geht’s die Treppe runter
Tipp schlürf tipp
Auf zum Fahrrad
wusch schlürf rassel klong
Tasche aufgeladen
Rad abschließen
Klapper Raschel
Und es geht nach Haus
Wohin will ich?
Noch einkaufen?
Keine Lust
Frisches Gemüse wäre gut
fahren fahren
Wo biege ich ab?
Den Weg oder den anderen,
ich könnt auch so rum fahren
Ach da lang
Die Strecke ist schön
wusch surr surr

von tetrapackkarton

Ein Künstler auf der Suche

»Ich zeichne aus Liebe und dem Bedürfnis, eine Botschaft zu vermitteln. Ich bin auf der Suche nach etwas, was ich noch nicht weiß, was es ist.«  – Ahmet Kirca

Ahmet Kirca hat bereits über 100 Bilder gezeichnet, die meisten davon malte er in seinem Zimmer. Auf Leinwand oder Papier malt der Künstler Menschen und Begebenheiten, die er erlebt oder miterlebt hat. Andere Motive wiederum entstanden aus seiner Fantasie, aus einem Gefühl heraus, berichtet er.

Die Jungs auf der Strasse bei der Mahlzeit ©Kirca

Malen gehört zu mir dazu, Malen ist Liebe, Glück und Freude, sagt Ahmet Kirca. Wenn er malt, fühlt er sich gut und der Künstler ist stolz, wenn nach einem langen Entstehungsprozess ein Bild gelungen und fertig geworden ist.

Ahmet Kirca wurde am 29. Mai 1964 in Bafra, in der Türkei geboren. Seit 1974 lebt er in Deutschland und ist bereits seit 2009 im Projekt Britzer Damm 72.

»Eckhard, erzähl mir mehr«

Teil II des Interviews

In wenigen Tagen wird das Zentrum AktionsRaum zum offenen Erfahrungsraum. Lesen Sie im zweiten Teil des Interviews mit Eckhard Schwarzenberger wie die Idee zur Ausstellung entstand, warum es bei einem solchen Projekt auf gute Teamarbeit ankommt, lesen sie von besonders berührenden Momenten und werden Sie neugierig auf die Erfahrung des kontrollierten Kontrollverlustes.

Wie kam die Idee des Konzepts zustande?

Weiterlesen

»Erzähl mir mal was, Eckhard«

Die Woche der seelischen Gesundheit rückt näher und im Zentrum AktionsRaum dauern die Vorbereitungen für den 18. Oktober noch an. Vieles aber ist auch schon geschafft. Vorab zur Ausstellung haben wir Eckhard Schwarzenberger (organisatorische Leitung und Kurator) einige Fragen gestellt und interessante Antworten erhalten. Lesen Sie heute von starken Geschichten, vom innerlichen Mitschwingen und von Räumen, die Sie einladen, etwas zu erfahren.

Eckhard, die Ausstellung lädt ein unter dem Titel: Erzähl mir mal was – Resonanzserfahrungen im Zentrum AktionsRaum. Was darf man sich darunter vorstellen?

Wir bilden unsere Identität indem wir unser Leben als Geschichte erzählen. Diese Erzählung muss zuallererst uns selbst überzeugen. Wir bringen darin die Ereignisse unseres Lebens in einen sinnvollen Zusammenhang. Ob sie immer mit historischen Fakten übereinstimmt ist dabei zweitrangig. Denn unsere Erinnerung arbeitet konstruktiv. Es geht eher darum, welche Bedeutung wir den Ereignissen und Erfahrungen geben.
Was für Individuen gilt kann auch auf Institutionen und Organisationen übertragen werden. Starke Geschichten machen starke Identitäten. Wir glauben, dass das Zentrum AktionsRaum in seiner jungen Geschichte schon eine starke Erzählung entwickelt hat. Diese wollen wir in der Ausstellung der Öffentlichkeit vorstellen.

Weiterlesen

Ich sehe was, was du nicht siehst

Ihre Wirklichkeit ist eine andere als meine Wirklichkeit. Wir können zur selben Zeit, dasselbe betrachten und würden es doch verschieden erfahren und unterschiedlich beschreiben. Die Künstlerin Milla Swann lerne ich als einen sehr achtsamen Menschen kennen. Sensibel und überlegt sind ihre Worte, das fällt mir bereits im ersten Gespräch auf. Ihre Kunst erlebe ich, als wären Ebenen der Wahrnehmung übereinandergelegt.

Milla Swann beantwortet hier die Frage nach ihrem Künstlernamen und gewährt uns persönliche Einblicke in die Entstehungsgeschichte eines ihrer Werke.

Wie kamen Sie zu dem Namen »Milla Swann« und seit wann benutzen Sie diesen Namen?

Ich brauchte eine »Fake« Emailadresse und als ich nach einem Namen suchte, war Milla Swann plötzlich in meinem Kopf als wäre der Name schon immer da gewesen. Als ich mich 2016 für die Fotografie und meine Website entschieden habe, wählte ich diesen Namen als Künstlernamen. Swan ist der englische Begriff für Schwan. Laut einer irischen Legende ist er der Begleiter der Seele ins sogenannte »Himmelreich«. Da sich in meiner Weltauffassung im Leben alles um die Seele und ihren Erfahrungen dreht, kann ich mich mit diesem Namen identifizieren.

Weiterlesen

© 2026 VIA – Mein Blog

Theme von Anders NorénHoch ↑