Impressionen der Resonanzerfahrung – zur Ausstellung am 18.10.2018
Zur Orientierung mag noch erklärt werden, dass ich die Zeit der Ausstellung mittendrin mit einem Klemmbrett, Papier und Stift verbrachte und das Folgende im Verlauf darnieder schrieb. Herrn Sternbecks Neugierde »Was machen Sie jetzt?«, ich: »Stimmungen einfangen « »find ich gut « Herr Sternbeck zufrieden lächelnd, gehend
Unbekannter Herr: Erzählt (auf Nachfrage): Er sei grad angekommen, war eben im Maschinenraum. Dann Herr Sternbeck aus dem Schleifraum kommend »Wollen Sie gleich hier rein, der Gegensatz – ist beeindruckend – wie es sich anhört!« Unbekannter Herr geht in den Schleifraum.
In wenigen Tagen wird das Zentrum AktionsRaum zum offenen Erfahrungsraum. Lesen Sie im zweiten Teil des Interviews mit Eckhard Schwarzenberger wie die Idee zur Ausstellung entstand, warum es bei einem solchen Projekt auf gute Teamarbeit ankommt, lesen sie von besonders berührenden Momenten und werden Sie neugierig auf die Erfahrung des kontrollierten Kontrollverlustes.
Die Woche der seelischen Gesundheit rückt näher und im Zentrum AktionsRaum dauern die Vorbereitungen für den 18. Oktober noch an. Vieles aber ist auch schon geschafft. Vorab zur Ausstellung haben wir Eckhard Schwarzenberger (organisatorische Leitung und Kurator) einige Fragen gestellt und interessante Antworten erhalten. Lesen Sie heute von starken Geschichten, vom innerlichen Mitschwingen und von Räumen, die Sie einladen, etwas zu erfahren.
Eckhard, die Ausstellung lädt ein unter dem Titel: Erzähl mir mal was – Resonanzserfahrungen im Zentrum AktionsRaum. Was darf man sich darunter vorstellen?
Wir bilden unsere Identität indem wir unser Leben als Geschichte erzählen. Diese Erzählung muss zuallererst uns selbst überzeugen. Wir bringen darin die Ereignisse unseres Lebens in einen sinnvollen Zusammenhang. Ob sie immer mit historischen Fakten übereinstimmt ist dabei zweitrangig. Denn unsere Erinnerung arbeitet konstruktiv. Es geht eher darum, welche Bedeutung wir den Ereignissen und Erfahrungen geben. Was für Individuen gilt kann auch auf Institutionen und Organisationen übertragen werden. Starke Geschichten machen starke Identitäten. Wir glauben, dass das Zentrum AktionsRaum in seiner jungen Geschichte schon eine starke Erzählung entwickelt hat. Diese wollen wir in der Ausstellung der Öffentlichkeit vorstellen.
Das ehemalige Gefängnis der Sturm Abteilung (SA), welches im Winter 1947/1948 als Wärmestube diente, wurde am 07. April 2011 als Gedenkstätte umfunktioniert. Im Keller des Hauses versuchte ich gerade mir eine Vorstellung des Grauens des Ortes zu machen, als mich die original nachgesprochene Tonaufnahme eines ehemaligen Häftlings, scheinbar völlig aus dem Nichts kommend, erschreckte. Der ehemalige Insasse berichtete auf der Tonspur von seinem Leben in der Gefangenschaft. Als ich den Lautsprecher entdeckte, hörte ich zu und die Grausamkeiten dieses Ortes wurden für mich plötzlich viel eindringlicher und bedrohlich.
Das ist eine hochfrequentierte Frage, die mir unter Erwähnung dieses Begriffes begegnet. Oft versuche ich eine Brücke über den Begriff des Recyclings zu schaffen, da sich dieser einer breiteren Bekanntschaft erfreut. Tatsächlich fällt das Upcycling ins Spektrum des Recycling, was wiederum nichts anderes bedeutet als Wiederverwertung.
re- = wieder, zurück (< lateinisch re-); cycle = Kreis(lauf) < lateinisch cyclus; up- = hinauf, nach oben
Beim Recycling geht es also um die Wiederverwertung von Abfällen im Allgemeinen, das vor allem zur Schonung von Rohstoffen, durchaus auch zur Reduzierung von Müll. Im Upcycling kommt zur Wiederverwertung eben noch eine Aufwertung hinzu. Es werden hier also aus Abfällen und unnützen Materialien neue Produkte hergestellt.
Natürlich kommt dem pfiffigen Fragesteller gerne eine weitere Frage herausgeplatzt: »Gibt es dann nicht auch das Downcycling?« – JA!, das gibt es tatsächlich, aber darauf werde ich in diesem Artikel nicht weiter eingehen.
Wie kam ich zum Upcycling und welche Bedeutung hat es für mich?
Anfang 2017, anlässlich der Planung meiner tagesklinischen Entlassung, schaute ich mir die VIA Praxis für Ergotherapie an und war recht angetan von den persönlichen Entwicklungsmöglichkeiten und der Unterstützung, die mir die Ergotherapie, sowie die Aktionsfelder boten. Während der Führung durch die Aktionsfelder sprach mich am meisten der Bereich des Upcyclings an. Damals wurden mir die aus geschreddertem Tetrapack gewobenen Gürtel und die genähten KRAMonnaiese, die wohl aus Abdeckplanen sein sollen, gezeigt und noch kleinere Einzelversuche.
Ressourcenorientierung, Recycling, Umweltschutz, LowWaste (engl. geringe Verschwendung/Abfall), Zweckentfremdung, ökonomisches Denken und Handeln, Kreativität sind alles Dinge, die mir am Herzen liegen. Und aus Müll, Schrott, überdrüssig gewordenen und ähnlichen sonst für die Tonne überlassenen Gebrauchsartikel zu werkeln, vereint wunderbar meine Herzensangelegenheit. Hier kann ich basteln, probieren, gestalten, also mich austoben sozusagen.
Möglichkeiten des Upcycling
Im Grunde könnte ich auch schreiben, dass alles Möglich ist. Doch Beispiele sind doch einfach schöner, nicht wahr?! Ganz einfach ist es zum Beispiel eine leere Konservendose auszuspülen, das Papier drumherum zu entfernen, die Außenfläche anzumalen und den somit aufgehübschten Metallabfall als Aufbewahrungsdose zu verwenden. Für Stifte, Besteck, Pflanzen, Krimskrams, Müll oder für etwas das klappert um damit zu musizieren. Es könnten auch Löcher in die Wand gebohrt oder gestanzt werden um die Dose als Windlicht zu verwenden. Oder sie werden verbaut und, und, und… Die Möglichkeiten lassen sich also beliebig erweitern mit mal mehr und mal weniger Aufwand. Anderweitig kann auch eine ausgediente Jeans recht einfach zu einer Tasche umgenäht werden oder Stoffreste zu einer Patchwork-Decke.
Diese zwei Links geben, wie ich finde, einen recht schnellen und anschaulichen Überblick über das Thema Upcycling und den Zusammenhang zwischen Recycling (Recycling) und Upcycling (Upcycling). Gerne möchte ich auch dazu anregen, sich mit ein wenig Zeit einer Suchmaschine zu widmen und Upcycling in die Bildersuche einzugeben. Sie wird bestimmt die Vielseitigkeit zeigen.
Upcycling bei VIA
Das Upcycling wurde hier bei VIA im Laufe des Jahres 2015 eingeführt. Es wurde zu Anfang vor allem mit Tetrapacks experimentiert und hin und her probiert, was manchmal gelang und andere Male nicht. Dadurch konnte das Material jedoch kennengelernt und optimaler verarbeitet werden. Wie eben schon erwähnt wurden hier eine Zeitlang die Tetrapackgürtel gewoben und verkauft, deren Herstellung allerdings einen bis heute andauernden Dämpfer erfuhr, der auf dem Mangel einer geeigneten Nähmaschine gründet. Doch es gibt noch deutlich mehr Materialien, die zu verarbeiten versucht wurden und werden. Und ich könnte noch eine Weile über verschiedene Versuche, Materialien und Ideen schreiben, doch zur Veranschaulichung taugen mir Bilder für diesen Artikel doch mehr.
Wer öfter mal mit der Bahn in Berlin fährt, dem ist sicher schon einmal das große, pfeilförmige und verspiegelte Gebäude aufgefallen: Das Estrel, mit 1125 Zimmern das größte Hotel Deutschlands. Der Name des Hotels setzt sich aus dem Anfangsbuchstaben des Vornamens und der ersten Silbe des Nachnamens seines Eigentümers zusammen, Ekkehard Streletzki.
Das Estrel beschäftigt ca. 550 Mitarbeiter*innen. Zwei von ihnen, sehr kompetente und freundliche junge Damen, leiteten die Führung. Die beiden Frauen machten keinen Hehl daraus, dass sie stolz waren hier zu arbeiten bzw. zu dieser großen Familie zu gehören. Nach Gebäck, Erfrischungen und einem Kurzfilm über das Hotel ging es los. Die Führung schien den beiden Hotelfachfrauen locker von der Hand zu gehen, dies war deutlich zu spüren. Nicht einmal während des ca. 1,5 km langen Fußwegs, überkam mich das Verlangen aufzuhören oder Langeweile. Es war unterhaltsam, informativ und kurzweilig. Wir wurden in ein Zimmer geführt, in welchem wir sogar einzeln bleiben durften um Fotos zu schießen, wir waren im obersten Stockwerk und genossen die Aussicht.
Das Estrel bietet seinen Gästen auch einen Fitnessraum und einen 400 qm großen Wellness-Bereich. Die Kirsche auf der Sahne wäre ein Umweg in die Präsidentensuite gewesen, doch leider war diese bewohnt. Man kann eben nicht alles haben.
Das Bauwerk auf den gezeigten Bildern steht in der Nähe des Bahnhofs Berlin-Südkreuz. Es handelt sich bei dem Objekt um einen riesigen Betonzylinder, der zur Zeit des Nationalsozialismus aufgestellt wurde, um den Boden auf seine Belastbarkeit zu testen. Die Idee des ganzen geht auf Albert Speer, den Architekten Adolf Hitlers zurück. Das Gesamtgewicht entspricht 12000 Tonnen und war als Sockel für eine Autobahn (Nord Süd Achse) geplant.
»Ich ging im Walde so für mich hin… « Johann Wolfgang von Goethe (1813)
Ein im Walde so für sich Hingehen, war das Waldprojekt für uns VIA Klienten nicht. Zielgerichtet wurde fotografiert und ausprobiert, was sich mit Licht und Schatten, Nadel und Laub, Himmel und Boden festhalten lässt: Keine Fotografie der Gegensätze sondern eher das Einfangen von Naturmomenten.
Der Wald kann Rückzugsort aber auch ein Ort zur Erholung und Entspannung sein. In der Natur können wir auftanken, was wir in der Hektik der Großstadt manchmal verlieren. Sei es innere Ruhe, sei es Kraft und Lebendigkeit. Die Farbe Grün hat eine beruhigende und doch anregende Wirkung auf Körper und Seele.
Das Farbenspiel, die Beschaffenheit des Bodens, das Blättermuster vor dem blauen Himmel, die Wuchsrichtungen der Baumstämme, die Zartheit eines Grashalms – all das ist auf den Fotos zu betrachten.
Gestern, Mittwoch den 02.05.2018, war ein toller Tag! Weil im Fotoatelier gebaut wurde und deshalb dort nicht gearbeitet werden konnte, wurde für alle ein Ausflug zu zwei Ausstellungen angeboten. Wie seltsamerweise so oft, waren wir letztendlich nur ein kleiner Kreis von 5 Personen, der sich mit Herrn Schwarzenberger und einer Praktikantin auf den Weg gemacht hat.