Autor: via-admin (Seite 8 von 11)

Mein Praktikum

Aus dem Leben gegriffen und über den Alltag berichtet. Was erlebt man während eines Praktikums im Lwerks … cultur, einem Café und Restaurant am Rathaus Neukölln?

Die Öffnungszeiten im Café Lwerk haben sich geändert. Montags fange ich um 10 Uhr an, mein Fahrweg beträgt 45 Minuten und ich muss viel stehen und laufen. Das längere Stehen ist anstrengend. Ich muss das schmutzige Geschirr kurz abspülen und dann in die Spülmaschine tun. Die Haupttätigkeit besteht im Abtrocknen. Es sind sehr viele Gläser, die ich polieren muss. Manchmal muss ich auch etwas aus dem Lager holen oder den Koch unterstützen und ein Rührei zubereiten. Ich durfte auch einmal Keksplätzchen ausstechen. Was auch zu meinen Tätigkeiten gehört, ist das Wäscheaufhängen und die Wäsche zusammenlegen. Um halb eins gibt es ein gutes Mittagessen, meist mit Salat. Zwischendurch sollen wir viel Selters trinken. Manchmal darf man auch einen Cappuccino trinken.

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Brandmalerei

Dem Künstler M.B. begegnete ich bereits im Atelier des VIA Zentrums AktionRaum. Seine feinlinigen Bilder sind detailreich und bilden für mich Bild-Wort-Collagen. Worte, Linien, Bilder erzählen Geschichten. Kürzlich schickte mir der Künstler eine Mail mit der Bitte, die von ihm angehängten Fotografien seiner Bilder auf dem Blog zu veröffentlichen. Wir freuen uns, die Werke hier präsentieren zu können.

M.B. selbst sagt: Das Bild ist auf Holz entstanden mit einer Art Lötbrenner. Dieses Motiv habe ich gespiegelt und dadurch ist etwas völlig Neues, eine Art Mosaik, entstanden.

Brandmalerei oder auch Pyrografie ist eine alte Gravurtechnik. Materialien wie Leder, Holz oder Kork wurden mittels dieser Technik verziert. Der Begriff Pyrografie bedeutet sinngemäß »Schrift mit Feuer« und stammt aus dem Altgriechischen. Aus dem Gravieren mit einer Wärmequelle ist eine Kunsttechnik entstanden.

©Bilder: M.B.

Meine eigenen Wohnungen

2. Nachtrag

Es ist nun eineinhalb Jahre her, seit ich vom betreuten Wohnen aus der 2er WG in Neukölln, wo ich mit einer guten Freundin vier Jahre zusammengelebt hatte, in meine eigene Wohnung in Lichtenberg gezogen bin.

Es war eine schöne Zeit in der WG. Wir waren der Mittelpunkt der Glasower Straße. Alle kamen zu uns, auch meine Nachbarin, die von morgens bis abends jeden Tag bei uns war und bei uns übernachtet hatte. Sie fühlte sich bei sich in der Wohnung nicht wohl und hatte uns, wo sie immer hin gehen konnte. Wir haben zusammen Filme und Serien bei Youtube geschaut, Musik gehört oder einfach so im Internet gesurft. Alle haben bei uns telefoniert und mein WLAN benutzt, haben bei uns Tabak und Blättchen, Essen und Geld bekommen, wir haben zusammen gekocht oder ich habe für alle Cheeseburger, Hot Dogs und Toast Hawaii gemacht oder wir haben uns Essen geholt beziehungsweise bestellt und zusammen gegessen. Sogar der Vater von meiner guten Freundin kam mit Koffern bepackt und hat bei uns wochenlang gewohnt, was dann doch ziemlich anstrengend war. Also dachte ich mir, ich suche mir meine eigene Wohnung, um mit meiner Nachbarin meine Ruhe zu haben. Doch die Sache ging irgendwie nach hinten los. Meiner Nachbarin ist der Weg nach Lichtenberg zu weit. Sie meint, sie schaffe es gesundheitlich nicht, zu mir zu kommen. Seitdem ich in Lichtenberg wohne, war sie erst ein einziges Mal bei mir, und dass auch nur, weil wir uns ein Taxi für 40 Euro hin und zurück genommen hatten. Ich selber habe sie jetzt aber auch nicht übertrieben 500mal besucht, um sie wie früher zu sehen. Es ist ein ewiges Hin- und Hergefahre von Lichtenberg nach Neukölln und zurück. In einer halben Stunde nach Neukölln schaffe ich es nur, wenn die S-Bahntüren sich problemlos öffnen und schließen, wenn ich renne, um die Bahnen und den Bus zu kriegen.

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Brief an den Bruder

Licht

++ Hinweis: Der Text behandelt traumatische Erfahrungen und kann triggern ++

Na Bruderherz,

weiß gar nicht was und wieso ich dir schreiben sollte…?
Aber ich mache es trotzdem.
Vielleicht geht es dir ja ein wenig schlecht, so wie es mir ständig geht.
Ich mach ja gerade ’ne Therapie, wegen meiner Ängste und so…weißt schon.
Mich quälen alte Erinnerungen.
Ich habe ständig und immer wieder die Sequenzen im Kopf, was du so alles mit mir angestellt hast.
Ich spule die Jahre zurück bis an die Punkte, in denen du mich gequält hast.
Nichts ist mir verloren gegangen…Danke.
Ich sehe den Müll aus zwei Perspektiven.
Einmal aus der Sicht von mir und dann als Zuschauer…besser gesagt, es springt, ganz schnell, so als würde es fast gleichzeitig sein.
Eine Rundum-Ansicht.
Die einzigen, die nicht wechseln sind meine Gefühle, Ängste, die Panik, der Ekel und das totale Entsetzen…die sind immer gleich, egal welche Perspektive.
Ich war klein soo süß und unschuldig.
Du warst, und bist es immer noch, 7 Jahre älter als ich….Du hattest die Macht auf mich aufzupassen und mich zu verteidigen.
Aber du musst dich entschieden haben mich zu zerstören…hast deine Macht genutzt, um zu quälen…sexuell-körperlich und seelisch.
Immer und immer wieder, bis du endlich ausgezogen bist….dann war Ruhe vor dir, aber trotzdem zu spät…ich war für mein Leben therapiert.
Ich kann es nicht verstehen, wie man so sein kann…ich…?…niemals
Für das gibt es keine Entschuldigung, egal was man selber erlebt hat.
Ein Gutes hat es jaaaa.
Das Gute in mir hast du nicht kaputt gemacht…ok das Gute ist schüchtern und ängstlich…aber es ist da und lebt.

©szilverling
©Foto: Lichtbildermacher


Das Zeichnen ist zum Sinn meines Lebens geworden…

trotz der Krankheit. Ich dachte nicht, dass meine Bilder so gut aussehen werden. Ich zeichne gern, es füllt den leeren Raum. Wenn ich male, vergehen die unangenehmen Gefühle. Ich möchte zeichnen bis ich 70 Jahre alt werde oder noch länger. Oder bis ich nicht mehr kann.    Hedwig Kopiasz

Die Künstlerin Hedwig Kopiasz entdeckte das Zeichnen vor 13 Jahren in der Kunsttherapie. Seither zeichnet sie ihre Bilder in dicke Spiralblöcke der Größe DIN A4. Später entstehen daraus großformatige Collagen. Manchmal werden diese Collagen anschließend von der Zeichnerin weiterbearbeitet.

Hedwig Kopiasz wurde in Oberschlesien in Polen geboren, wuchs dann aber in Bayern in einem Kinderheim auf. Als junge Frau heiratete sie und lebte einige Jahre in Alaska. Nach der Scheidung kam Frau Kopiasz zurück nach Deutschland und ging nach Berlin, wo sie jedoch vorerst obdachlos war.

Die hier ausgewählten Bilder zeigen Lebensstationen und -wege der Künstlerin. Zu jedem Bild berichtet Hedwig Kopiasz in wenigen Worten von ihren Erinnerungen und Eindrücken. Diese Geschichten sind unter den jeweiligen Bildern zu finden. Klicken Sie die Bilder einfach an und öffnen so die Galerien.

Hedwig Kopiasz ist seit 2005 im Projekt Britzer Damm 72 und seit dieser Zeit regelmäßig in der Kunsttherapie aktiv.

Meine eigenen Wohnungen & Kreuz, Kreis und Ecke

Ich möchte nun zu meinen bisherigen Beiträgen einen aktuellen Nachtrag vorstellen – wie ich inzwischen über die Burg denke und wie ich in meiner eigenen Wohnung angekommen bin:

Immer wenn ich kiffe, wird das Thema »Doppelkreuzritterburg« sehr stark und intensiv. Das kommt mir natürlich sehr verdächtig vor und deswegen habe ich das Kiffen so gut wie es ging, gemieden. Ich hatte vor Jahren eine Suchttherapie im Therapieladen erfolgreich beendet und habe drei Jahre gar nicht gekifft, allerdings einen Rückfall gebaut und dann anderthalb Jahre wieder nichts genommen. Rückfälle hatte ich öfter und sogar die Therapie erneut beantragt. Ich mache aber die Therapie trotzdem nicht noch einmal, weil ich der Meinung bin, dass ich sie schon erfolgreich beendet habe und ja weiß, dass ich nicht mehr kiffen sollte und im Therapieladen gelernt habe, dass nicht gekifft wird.

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Erinnerung an Monika Schmook

Frau Schmook lebte in der Zeit von 2001 bis 2012 in einer therapeutischen Wohngemeinschaft der VIA Perspektiven, im Britzer Damm 72, in Berlin Neukölln. Sie kam dahin, weil sie das Kunstatelier nutzen und im Kontakt mit anderen Menschen sein wollte. Dabei bestand sie, wo es aus ihrer Sicht nur möglich war, auf Selbstständigkeit. Die Betreuenden vor Ort und ihre rechtliche Betreuerin duldete sie, sofern sie sich in ihren Freiheiten nicht gestört fühlte. Die Mitarbeitenden vom Sozialpsychiatrischen Dienst und dem Fall-Management hingegen, akzeptierte sie nicht, was nicht selten bei deren Besuch mit dem Bewurf von nassen Lappen endete. Ihre Medikamente setzte Frau Schmook unauffällig ab und kam ohne sie gut zurecht. Ihre Stabilität hatte sie ihrer Selbstdisziplin zu verdanken.

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Kreuz, Kreis und Ecke

Ich leide unter einer paranoiden Schizophrenie und bekomme dagegen Resperidon. Das hat mich wieder so gut wie gesund gemacht. Es bleiben aber wohl immer Reste der Psychose. Meine Gedanken kann ich meistens mit niemandem teilen, möchte das aber gerne trotzdem probieren, vielleicht kann ja jemand nachvollziehen was ich denke.

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Ein Künstler auf der Suche

»Ich zeichne aus Liebe und dem Bedürfnis, eine Botschaft zu vermitteln. Ich bin auf der Suche nach etwas, was ich noch nicht weiß, was es ist.«  – Ahmet Kirca

Ahmet Kirca hat bereits über 100 Bilder gezeichnet, die meisten davon malte er in seinem Zimmer. Auf Leinwand oder Papier malt der Künstler Menschen und Begebenheiten, die er erlebt oder miterlebt hat. Andere Motive wiederum entstanden aus seiner Fantasie, aus einem Gefühl heraus, berichtet er.

Die Jungs auf der Strasse bei der Mahlzeit ©Kirca

Malen gehört zu mir dazu, Malen ist Liebe, Glück und Freude, sagt Ahmet Kirca. Wenn er malt, fühlt er sich gut und der Künstler ist stolz, wenn nach einem langen Entstehungsprozess ein Bild gelungen und fertig geworden ist.

Ahmet Kirca wurde am 29. Mai 1964 in Bafra, in der Türkei geboren. Seit 1974 lebt er in Deutschland und ist bereits seit 2009 im Projekt Britzer Damm 72.

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